(Foto: Lukas Viehweg)
Heute steht ein Konzert in Brokstedt auf unserem Plan. Vor zehn Jahren haben wir hier bereits schon einmal gesungen.
Nach ca. 45 min Fahrt kommen wir an, und genau wie damals bin ich beeindruckt von dieser wunderschönen Kirche. Ich lese später, dass diese aus dem Jahr 1900 stammt.
Michael und Lukas, unsere Techniker, sind mit der Vorbereitung des Konzerts beschäftigt. Pünktlich um 18:15 beginnt das Einsingen. Heute werden wir tatsächlich gleich drei Lieder zum ersten Mal öffentlich aufführen. Diese singen wir jetzt noch einmal durch. Anschließend haben wir wie gewohnt noch etwas Zeit, bevor es losgeht. Die Kirche füllt sich.
Mein Neffe zeigt mir den Weg zur Empore, und wir beide sehen uns die Orgel an und betrachten kurz den Kirchenraum von oben.
Schließlich ist es soweit und der Chor zieht mit Sing a new song in die Kirche ein. Als Gloria anschließend unsere Zuhörerinnen und Zuhörer begrüßt, erwähnt sie auch unseren letzten Besuch. Sie zitiert dann den Satz „Musik ist eine Sprache, die keine Übersetzung braucht“. Das trifft es, finde auch ich.
Als unsere Pianistin mit dem Klassiker Michael row the boat ashore starten will, verhaspelt sie sich und ruft dann laut: „Ich fang nochmal an“, worüber alle lachen.
Anschließend kündigt Beate zwei unserer neuen Stücke an. Sie übersetzt den Text von Afrikansk bön und interpretiert We wiggle als einen Weg zum Ziel, der in kleinen Schritten genommen wird.
Beide Stücke (die sehr unterschiedlich sind) klappen sehr gut. Ich mag insbesondere Ersteres, was witzigerweise auf Schwedisch gesungen wird. Aber daran sind wir gewöhnt. Unser drittes neues Stück Lord I lift your name on high sagt Gaby G. an. „You came from heaven to earth to show the way“, heißt es dort. Gaby fragt sich angesichts der politischen Lage, ob es wieder einmal an der Zeit für einen solchen Besuch wäre. Bezüglich des dann folgenden Will the circle be unbroken hebt sie hervor, dass die Hauptstimme vom Alt gesungen wird.
Bei Lord I lift (in dem Hanna uns mit der Geige begleitet) erlebe ich das Publikum erstmals euphorisch. Es ist ein sehr gefälliges, harmonisches Lied, und ich sehe die Küsterin begeistert mitsingen.
Angelika erzählt uns jetzt, dass es in Gospelsongs immer um eine gute Nachricht gehe. Bei dem kommenden I heard the voice of Jesus say sei diese, dass wir unsere Last bei ihm abladen und zur Ruhe kommen können. „Danach hören Sie ein Lied, das sich direkt an Maria richtet“, erzählt sie. Es geht um Mary did you know. Sie sinniert darüber, ob Maria geahnt haben könnte, welchen Lebensweg ihr Sohn vor sich hatte. Das Lied endet mit „the sleeping child you’re holding is the Great I am“.
Beide Stücke sind überwiegend getragen, unseren Zuhörenden scheinen sie zu gefallen. Kurz bevor wir mit dem nächsten Stück starten wollen, ertönt plötzlich ein lautes Brummen, offenbar eine Rückkoppelung. Unsere Techniker bekommen das aber schnell in den Griff. Der Alt scheint noch irritiert, denn er setzt bei May you always have a song nur zögerlich ein. Das bringt den Sängerinnen einen erstaunten Blick unseres Chorleiters ein. Es folgt dann From a distance. Wir haben heute viele schöne, getragene Songs im Programm.
Es geht entspannt mit Jesus, Jesus Majesty weiter, bevor es dann im zweiten Teil mit Just a closer walk wieder peppiger wird. Da ich heute ziemlich erschöpft bin, setze ich mich während der Ansagen meist hinten auf einen Stuhl. Hier bleibe ich auch während des nun folgenden My words sitzen. Der Stuhl ist begehrt, und plötzlich hat ein Sänger neben mir Kreislaufprobleme. Ich biete ihm den Stuhl an, aber er zieht es vor, sich auf die Stufe vorm Altar zu setzen. Nun befinden wir uns im letzten Teil des Konzerts. Nach einigen weiteren wunderschönen Songs wie z.B. Hallelujah und This is the Lord´s doing singen wir schließlich unser afrikanisches Stück Baba Yetu. Vorher müssen wir jedoch unsere Sitzgelegenheit an Hauke abgeben. Er spielt bei diesem Lied Euphonium, und so reichen wir Stuhl und Instrument nach vorn.
Den Abschluss des Hauptprogramms bildet heute Lean on me.
An der Begeisterung des Publikums lässt sich der Wunsch nach einer Zugabe ablesen und so folgen noch zwei mitreißende Stücke, nämlich Jesus on the mainline und How I got over.
Es hat wieder viel Spaß gemacht. Der Abend endet für uns mit einer „After Show Party“ auf dem Hof einer Mitsängerin im Nachbardorf. Ein sehr gelungener Abschluss!
Gaby von der Heydt